heimweh - ein ventil

Es ist jetzt sieben Wochen her,

dass ich auf diese Insel trat,

war voll mit Neugier und Erwartung,

die Sehnsucht mal ganz ausgespart.

 

Und nun scheint es mir an der Zeit,

ein erstes Mal zurueck zu schau'n,

um wachen Blicks und ungeschminkt

naive Traeume abzubau'n.

 

Es gibt recht viele Aehnlichkeiten

zwischen der Heimat und dem Hier,

doch die kleinen Unterschiede

wiegen schwerer - scheint es mir.

 

Vieles spuert man nur subtil,

doch auf die Dauer nagt es sehr,

dass man hier and're Werte preist.

Ein kurzes Beispiel sagt wohl mehr:

 

Freundlichkeit steht ueber allem,

Selbst wenn das am Ende heisst,

dass man uns - auf Herbergssuche -

grinsend aus der Tuere weist.

 

Laechelnd wird man auch begruesst,

wenn man hier nach Arbeit fragt.

"Klar, wir rufen euch zurueck!"

Und niemand, der die Wahrheit sagt.

 

Wieso sind all die Leute hier

zu faul ein Fahrrad zu benutzen?

Und wie kommt's, dass die tonnenweise

Fritten mit Creme Fraiche verputzen?

 

Kein Wunder, dass die Kinder schon

fett und traege rumstolziern,

auf Hemd, Rock, Hose, Kniebundsocken

das Schulemblem spazieren fuehrn.

 

Um fuenf macht jedes Cafe zu

und nach um zehn gibt's nicht einmal

im Restaurant mehr was zu essen -

ein Ausgeh-Abend wird zur Qual.

 

So kommt's, dass alle Kiwis hier

des Abends nur vorm Fernseh'r chillen,

mit Playstation und Pay-TV

den sonst so oeden Alltag fuellen.

 

Und was soll diese Pruederie,

dass man nicht nackend duschen soll?

Wozu sind denn am Strand die Duschen?

Ich wasch mich nicht im Overall!

 

Der nackte Koerper ein Tabu.

"Kinder, bleibt ja abstinent!"

Dennoch sind die Triebe da,

nur ist man damit sehr verklemmt.

 

Am Ende sind es solche Leute,

die uns beim FKK betrachten,

weil sie notgeil, wie sie sind,

nach jedem bisschen Bloesse trachten.

 

Das Bier ist schal, die Menschen spiessig,

letztlich alle eigensinnig,

die Duschen drucklos, kalt und eklig

nach ein paar Wochen schon beginn ich

 

Mich nach meiner Stadt zu sehnen,

Familie, Freunde, Bett, Musik,

Jazz, Kultur und andre Dinge,

die ich nun mit Gold aufwieg.

 

Ueber Deutsche heisst es oft,

dass wir etwas kleinkariert,

engstirnig und ernsthaft waeren,

doch immerhin: emanzipiert.

 

Bei uns gilt Ehrlichkeit vor Luege,

und Pommes sind kein Hauptgericht.

Ich sehne mich zurueck nach Hause

das ist der Kern von dem Gedicht.

 

so. nun ist der frust raus. und mir geht's besser. wenn die reime holpern, liegt es nur daran, dass man manche taktlosigkeiten der neuseelaender schlicht nicht in ein vernuenftiges versmass gefuegt bekommt. ich bitte um nachsicht.

 

25.3.07 03:55

bisher 0 Kommentar(e)     TrackBack-URL

Name:
Email:
Website:
E-Mail bei weiteren Kommentaren
Informationen speichern (Cookie)


 Smileys einfügen