weinlese - nachlese

Am Sonntag war der erste grosse Erntetag fuer uns. Man wird bei der Weinlese nicht mehr nach Stunden bezahlt, sondern nach der Anzahl der Koerbe, die man pflueckt. Wir hatten uns schon seit Tagen darauf gefreut, denn es hiess, damit liesse sich endlich richtig gut Geld verdienen: Nicht mehr nur 10$ pro Stunde - nein, das doppelte sei drin, wenn man ranklotzt. Mit dieser Hoffnung vor Augen ignorierten wir also, dass Gott ueber den siebten Tag der Woche gesprochen hatte, man solle ihn fern der Arbeit verbringen, standen halb sechs auf und waren bei Sonnenaufgang in klammer Kaelte auf dem Weingut.

Viele andere Arbeiter hatten aber an diesem Morgen nicht die Kraft gefunden, so frueh aufzustehen... Es fehlten mindestens 15 Leute, die an diesem Tag zur Ernte eingeplant waren. Allerdings war das fuer uns auch kaum verwunderlich, denn waehrend wir am Samstag frei genommen hatten, mussten die anderen ueber 11 Stunden arbeiten – wieder nur zum mageren Stundenlohn. So hatten es sich die Supervisor mit den Arbeitern verscherzt – und das, obwohl ohnehin dutzende Erntehelfer fehlen!

Wir jedenfalls standen am Sonntag zwischen den Reben und stellten am Mittag fest, dass wir zwar knapp 400 kg Trauben gepflueckt hatten, aber bei dem lausigen Geld pro Korb insgesamt nur 75$ erarbeitet hatten. Zu zweit, wohlgemerkt. Das macht 19 Euro pro Person fuer 6 Stunden Arbeit. Zwei Schotten und einem Deutschen war es dann auch zu bloed, noch laenger fuer diesen mickrigen Lohn zu arbeiten und so fuhren wir zu fuenft mit der Havanette zum Hostel zurueck, und machten uns wenigstens einen entspannten Nachmittag.

(Bilder wie immer unter 'Watch Out')

14.3.07 01:27

bisher 1 Kommentar(e)     TrackBack-URL


stekel (14.3.07 08:20)
...die polnischen arbeiter in den kirschplantagen bei borthen schaffen so viele eimer, dass sie einen monatslohn von 400 bis 600 euro erschufften - die teutonischen Hartz IV-Nachbarn in der Reihe nebenan erwirtschaften in derselben Zeit einen Monatslohn von 100 € - freilich nur die besten von ihnen. Woran liegt das? Ich dachte, das sind bestimmt Außerirdische, als Polen getarnt. Jetzt weiß ich, dass es so ist, wenn sich dasselbe Phänomen auf der anderen Erdhälfte ebenso beobachten lässt.

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